1.1 Allgemeines

Fragen und Antworten 

 

Zu welcher Insektenordnung gehören die Wanzen?

Wanzen haben wie Zikaden, Blattläuse, Blattflöhe und Schildläuse stechend-saugende Mundwerkzeuge (Rüssel, oder Schnabel genannt). Sie zählen deshalb zur Insektengruppe der Schnabelkerfe.

Wie unterscheiden sie sich von anderen Insekten? 

In Form und Färbung sind die Wanzen äußerst vielseitig und können manchmal mit anderen Insekten verwechselt werden.  So erinnern einige Arten an Schnaken oder Stechmücken. Erkennbar sind Wanzen an ihrem mehrgliedrigen Rüssel (Abb. 1)) und an den Vorderflügeln (einige Arten ausgenommen) die im oberen Teil ledrig, im unteren Teil häutig sind (Abb. 2), dicht am Körper anliegen und an den Spitzen überlappen. 

        
    Abb. 1                                    Abb. 2    

Wo kommen sie vor?   

Man findet einige wenige Wanzenarten in Häusern, die meisten an Beerensträuchern, auf Wiesen, am und im Wald, auf und in Binnengewässern, in Wüsten und (als einzige Insektenart überhaupt) sogar auf hoher See.  Andere leben als Schmarotzer ausschließlich an Warmblütlern, Schwalben, Seglern und Fledermäusen. 

Man unterscheidet drei Unterordnungen:

a)   auf dem Land lebende (Geocorisae)
b)  auf dem Wasser lebende (Amphibiocorisae) und
c)  im Wasser lebende Tiere (Hydrocorisae)

In  Deutschland sind weit mehr als 800 Wanzenarten bekannt.  Nach neuesten Erkenntnissen werden auf der ganzen Welt zwischen 60.000 - 70.000 verschiedene Arten vermutet. Wanzen sind Wärme liebende Insekten.  Folglich kommen im Süden Deutschlands wesentlich mehr Wanzenarten vor, als im Norden.  Allerdings gibt es auch einige Arten, die nur in kälteren Regionen zu Hause sind. Über Verbreitung und Population der Wanzen wird von Seiten der Forschung genau Buch geführt.  Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Artenvielfalt ständig wächst.  Nicht zuletzt ist dies Folge der zunehmenden Globalisierung und des Fortschritts der Wanzenforschung.  Mit Pflanzen aus fernen Ländern werden auch deren Schädlinge eingeschleppt.  Die aus Japan stammende Lavendelheide, die bei uns schon lange in Gärten, Parks und Friedhöfen Einzug gehalten hat, wird gelegentlich von der Andromeda-Gitterwanze befallen (siehe Wanzengalerie „Stephanitis takeyai“). Die in Europa ursprünglich unbekannte Wanze ist mit ihrer Wirtspflanze unabsichtlich aus Japan eingeführt worden und breitet sich auch hier aus.

Wovon ernähren sich Wanzen?

Man unterscheidet zwischen Pflanzensaftsaugern,  Raubwanzen und parasitischen Wanzen. Pflanzensaftsauger ernähren sich hauptsächlich von Blatt- und Fruchtsäften sowie Samen.  Gelegentlich sieht man sie auch saugend an toten Insekten. Raubwanzen  benötigen tierische Nahrung, wobei auch die eigenen Verwandten Beutetiere sein können. Zu den parasitischen Wanzen  gehören u.a. die Bettwanzen. Sie saugen nicht nur Menschenblut sondern ernähren sich auch vom Blut diverser Vogelarten und anderer Warmblütler. Wanzen sind in der Regel an ihre Wirte gebunden.  So, wie die Andromeda-Gitterwanze  fast ausschließlich auf und von den Blättern der Japanischen Lavendelheide lebt, findet man Feuerwanzen in der Nähe von Malvengewächsen oder Linden. Teich- und Wasserläufer verspeisen mit Vorliebe Insekten, die ins Wasser gefallen sind. Weitere Einzelheiten unter „Ernährung“. 

Sind Wanzen Schädlinge oder Nützlinge?

Mitte des letzten Jahrhunderts waren weltweit ca. 40.000 verschiedene Wanzenarten bekannt und beschrieben, davon hatten ca. 750 den Ruf, Kulturschädlinge zu sein (K.H.C. Jordan / E. Otten). Zu den in NRW vorkommenden Arten zählen u.a. (Bild unten, von links nach rechts) Aelia acuminata (Getreidewanze oder Spitzling), Nezara viridula (Gemüsewanze), sowie die Netzwanzenarten Corytucha ciliata (Platanengitterwanze), Stephanitis oberti u. Stephanitis takeyai

  

Als Nutzpflanzenschädlinge spielen Gemüse- und Getreidewanzen in NRW zur Zeit eine eher untergeordnete Rolle, da sie nur vereinzelt zu finden sind.

Die Platanengitterwanze Corythucha ciliata ist 2002 erstmals in NRW entdeckt worden. Inzwischen hat sie sich stark verbreitet und richtet immensen Schaden an. Die erwachsenen Tiere kommen im Frühjahr unter der Baumrinde hervor (sie überwintern dort) und besetzen die Baumkrone. Auf der Unterseite der Blätter legen sie ihre Eier ab. Larven und erwachsene Tiere ernähren sich vom Saft des jungen Laubs, das vorzeitig welkt und abfällt.

Die beiden genannten Stephanitis-Arten schädigen Zierpflanzen wie Rhododendren, Azaleen und Japanische Lavendelheide. Die Eiablage erfolgt auf der Unterseite der Blätter. Sowohl die erwachsenen Tiere als auch deren Larven ernähren sich vom Saft des Grüns. Befallene Pflanzen erkennt man an den hellen, fleckigen Blättern (meist in Bodennähe). 

Neben den Pflanzensaftsaugern, die, aus ökonomischer Sicht, meist „harmlos“ sind, gibt es eine große Zahl „nützlicher“ Wanzen, die als Schädlingsbekämpfer auftreten. Hierzu zählen alle Arten, die sich ausschließlich oder gelegentlich von lebendem, tierischem Material wie Insekten und ihren Larven ernähren. Blattläuse stehen ganz oben auf der Speisekarte von Blumen- und Sichelwanzen. Auch einige Baumwanzenarten wie Arma custos, Troilus luridus und Pentatoma rufipes fressen Käfer, Raupen, Larven und Eier. Wanzen können ebenfalls Opfertiere sein. So ist aus dem Südwesten Russlands bekannt (E. Wachmann), dass Arma custos zu den Feinden der Platanengitterwanze gehört.

Insgesamt gesehen sind Wanzen also eher nützlich, als schädlich.

Wie überwintern Wanzen?

Je nach Art überwintern die Insekten als erwachsene Tiere, als Larven oder im Eistadium.  Erwachsene Wanzen und Larven mancher Arten suchen in Häusern  Zuflucht.  Andere verkriechen sich unter loser Baumrinde, unter Laub oder im Boden.