1.6 Erscheinungsbild

Farbgebung

Der Chitinpanzer der Wanzen besteht aus drei übereinanderliegenden Hautschichten, der Unter-, Mittel- und Oberhaut (Endocuticula, Exocuticula und Epicuticula). Maßgebend für Farben und Zeichnungen sind Farbpigmente, die meist in der Mittelhaut der chitinisierten Körperteile (Körperdecke und Seitenrand) eingelagert sind. Neben den Pigment- gibt es Strukturfarben, die durch Lichtbrechung an sehr dünnen Schichten entstehen (Beispiel: Deckflügel der Gitterwanze Stephanitis takeyai), Darüber hinaus sind Feuchtigkeit und Temperatur farbbeeinflussend.

Die geographische Lage spielt bei der Farbgebung ebenfalls eine Rolle. So sind Carpocoris-Arten im Süden häufiger rotbraun, in unserem Einzugsgebiet gelbbraun.

Viele Wanzenarten sind ihrer Umgebung farblich angepasst (Umgebungstracht). Am Boden lebende Tiere sind meist  braun oder sandfarben, die auf Laub vorkommenden oft grün und Rindenwanzen ausschließlich braun.

Wie bei anderen Insekten kommen auch bei Wanzen innerhalb der Geschlechter Farbunterschiede vor. Ein Beispiel dafür ist die in NRW nicht vorkommende Piezodorus tunicatusDas Männchen hat braunrote, das Weibchen grüne Vorderflügel.

Im Jahresverlauf wechseln viele unserer heimischen Wanzen ihre „Tracht“. Stenodema-Arten treten im Frühjahr in grüner, im Sommer und Herbst in gelber oder brauner Form auf. Auch bestimmte Eurydema-Arten zeigen nach der Überwinterung regelmäßig eine Umfärbung.

Die Palomena-Arten tauschen ihr grünes Kleid im Herbst gegen ein braunes und werden im zeitigen Frühjahr wieder grün. Auslöser dieses Farbwechsels ist in diesem Fall ein weinrotes Pigment, das im Herbst wirksam wird und im Frühjahr wieder verschwindet.

     

Strukturen

Die mittlere Hautschicht (Exicuticula) ist der Ausgangspunkt für Haare, Borsten und Sporne. Durch Poren stehen sie mit der Oberhaut in Verbindung. Hautausstülpungen wie Höcker, Dornen oder Warzen haben ihren Ursprung ebenfalls in der Mittelhaut.

Viele Wanzenarten weisen in der Chitinschicht eine mehr oder weniger starke Punktierung auf, die hell oder dunkel, unregelmäßig oder in Reihen angeordnet sein kann (Beispiel: Kleidocerys resedae, Bild unten).

         

Eine strukturierte Oberfläche wirkt matt, eine behaarte stumpf. Ist die Oberhaut völlig glatt, entsteht Metallglanz.

 

Mimese (Nachahmung)

Mehrere Wanzenarten ahmen das Aussehen von Ameisen nach, um unbemerkt in deren Bauten zu gelangen. Ihre  Absichten sind dabei in den seltensten Fällen friedlich. Man unterscheidet a) Tiere, die ameisenähnliche Körper haben und b) solche, die durch Körperzeichnungen, Lichtreflexe und Bewegungen stark an Ameisen erinnern.

Bei einigen Arten der Gruppe a) sind nur die Weibchen und Larven bzw. ausschließlich die Larven ameisenähnlich. Gewisse Arten der Gruppe b) fressen nicht nur Ameisen und ihre Brut, sondern saugen auch Blattläuse aus, d. h., sie konkurrieren mit den Ameisen um deren Nahrung.

 

Fühler/Antennen

Wasserwanzen haben kleine, versteckt liegende, Landwanzen vier- oder fünfgliedrige, mehr oder weniger auffällige, manchmal körperlange Fühlerpaare. Deren Aufgabe ist es, Geruchsreize und vermutlich auch Erschütterungen wahrzunehmen. Die Form ist sehr variabel. Man unterscheidet faden-, walzen-, stab-, spindel-, geißel- und keulen- förmige Fühler.

Blindwanzen (Miriden) erkennt man auf den ersten Blick an den äußeren, stets fadenförmigen Fühlergliedern, die sehr viel dünner sind, als die unteren.

Form und Farbe der Fühler sind oft wichtige Erkennungsmerkmale. In den Beschreibungen der einzelnen Wanzen finden sich, sofern erforderlich, dazu entsprechende Hinweise. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass Larven, gleich welcher Art sie angehören, viergliedrige Fühler haben. Erst mit der letzten Häutung teilt sich bei fünfgliedrigen Arten das zweite Fühlerglied in zwei Abschnitte.

Flügel

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind die Vorderflügel der Heteropteren (Verschiedenflügler = Wanzen) am Körperansatz ledrig (chitinisiert) und an den Enden häutig.

Bei vollgeflügelten Wanzen haben die Männchen in der Regel längere und schmälere Flügel als Weibchen der selben Art. Es wurde beobachtet, dass männliche Tiere auch lieber fliegen.

Die meisten Pentatomiden (Baum-, Erd-, Kugel-, Stachel- und Schildwanzen) sind langflügelig. Bei Miriden      (Blindwanzen), Lygaeiden (Boden-, Lang- und Samenwanzen, Stelzen- und Meldenwanzen) sowie Gerriden   (Wasserläufern) kommen Flügelverkürzungen häufiger vor. Zu den wohl bekanntesten kurzflügeligen Wanzen zählt die Feuerwanze Pyrrhocoris apterus. Langflügelige Exemplare sind hier eine absolute Seltenheit. 

Während der Ruhestellung liegen die Flügel, wegen ihres speziellen Aufbaus auch „Halbdecken“ genannt, unverrück-  bar auf dem Wanzenkörper. Das so genannte „Flügelschloss“ hält die in eine Halterung eingerasteten Deckflügel an den Brustseiten fest und sorgt auf diese Weise für Stabilität. Um die Flügel vor dem Flug startklar zu machen, müssen die Wanzen erst einen kleinen Anlauf nehmen. Entweder bewegen sie sich ein paar Schritte vorwärts und springen dann in die Höhe, oder gehen „in die Knie“ und setzen gleich zum Sprung an, der ihnen den nötigen Auftrieb verleiht. Sie benötigen also zwingend ihre Beine, um vom Boden abheben zu können.  

Vorder- und Hinterflügel stehen durch eine Anhängevorrichtung miteinander in Verbindung und bilden im Flug eine  Einheit. Die Flugbewegungen sind ruderähnlich und beschreiben Ovale oder Achterkurven. Besonders bei den Pentatomiden sind brummende Fluggeräusche zu hören.

 

Fortsetzung folgt

Quelle: Landwanzen K.H.C. Jordan