1.7 Erkennungsmerkmale

Um Wanzen sicher bestimmen zu können, benötigt man neben langjähriger Erfahrung, umfassender Kenntnis der Arten, einem Bestimmungsschlüssel, Vergleichsliteratur und technischem Gerät auch „Belegexemplare“, d.h.,  getötete und präparierte Tiere.  Fotos reichen nicht aus, denn es gibt Wanzenarten, hauptsächlich Blindwanzen (Miriden), die nur unter dem Mikroskop voneinander zu unterscheiden sind.

Der Laie muss sich also damit zufrieden geben, ausschließlich allgemein bekannte Wanzenarten bestimmen zu lernen. Hierzu gibt es wichtige Merkmale, die in den Einzelbeschreibungen (3.2) aufgeführt,  doch oft nur mit geschärftem Blick zu erkennen sind.  Am Beispiel der beiden Schwesterarten Gastrodes abietum und Gastrodes grossipes wird deutlich, wie minimal und doch augenfällig die Unterschiede sein können. (Abb. 1)
   ^ Abb. 1)

Ein weiteres Beispiel: 

Auf folgendem Bild (Abb. 2) sieht man links eine Grüne Stinkwanze (Palomena prasina), rechts daneben eine Gemüsewanze (Nezara viridula). Jedem Betrachter fallen sofort gravierende Unterschiede auf.  
                                                                                      < Abb. 2)                

Membran, Seitenrand Punktierungsfarbe und Schildchenzeichnung stimmen nicht überein. Wenn man die Tiere jedoch einzeln im Gelände antrifft, unterscheiden sie sich auf den ersten Blick kaum voneinander, vor allem dann nicht, wenn sie sich gerade gehäutet haben. Umgebung und Lichtverhältnisse tun ein Übriges und machen die Augen unsensibel für Details.  Erst beim bewussten Hinsehen erkennt man Einzelheiten, die eine Bestimmung möglich machen. Bei der rechten Wanze sieht man am oberen Schildchenrand drei helle Punkte und je einen schwarzen rechts und links in den Ecken. Dies ist das Erkennnungsmerkmal der Gemüsewanze Nezara viridula

Sind die Objekte zu klein, hilft nur eine Lupe. Die Gitterwanze Stephanitis oberti läßt sich mit bloßem Auge kaum von einer Stephanitis takeyai unterscheiden, da die Tiere absolute Winzlinge sind.  Erkennungsmerkmal ist die Kopfhaube, die bei St. takeyai schwarz ist (in Abb. 3 oben), bei St. oberti dagegen weiß (in Abb. 3 unten).  
 
< Abb. 3) 

Wie bereits erwähnt, sind bei der Bestimmung von Wanzen oft winzige Besonderheiten ausschlaggebend. Dies kann man gut am Beispiel der bei uns häufig vorkommenden Lederwanze Coreus marginatus sehen. (Abb. 4)        Im Gegensatz zu ähnlichen Arten, hat sie zwischen den Fühlern zwei zur Kopfmitte geneigte, spitze Dornen. 

 

 

< Abb. 4)

Sichelwanzen (im Bild unten eine Himacerus mirmicoides-Larve) ernähren sich räuberisch und sind mit Körperteilen ausgestattet, an denen man sie leicht erkennen kann. Die Tiere haben sichelförmige Rüssel (daher der Name) und besonders kräftige Vorderbeine, mit denen sie ihre Beutetiere ergreifen, festhalten und niederdrücken können. Zur korrekten Artbestimmung sind weitere Untersuchungen erforderlich.

                                                  Abb. 5) >

Zu Wanzen-Bestimmungsmerkmalen zählen auch die Punktierungen. Die “Punktgruben” sind je nach Art hell oder dunkel gefärbt, lose über den Chitinpanzer verteilt oder/und in Reihen angeordnet (Abb 6: Elasmostethus minor).

< Abb. 6)

Über Details wie Kopfform, Gestalt und Färbung der Fühler und Beine, sowie das Aussehen der Körperseitenränder kann die Artzugehörigkeit mancher Wanzen ebenfalls nachgewiesen werden. Im unteren Bild sieht man eine Spitzbauchwanze (Troilus luridus). Charakteristisch bei dieser Art sind der gezackte Halsschildrand und der eckige Kopf mit den ausgeprägten Wangenplatten, die den Stirnkeil deutlich überragen (Abb. 7).          

         

          Abb 7) >

Bestimmte Wanzen unterscheiden sich nur dadurch, dass sie behaart oder unbehaart sind, flach anliegende oder abstehende Haare haben. Zum Abschluss das Bild einer Beerenwanze (Dolycoris baccarum), bei der man sowohl die Behaarung als auch andere wichtige Körpermerkmale (Kopfform, Punktaugen, Fühlerfarbe und Punktierung) recht gut erkennen kann (Abb. 8).

  < Abb. 8)