1.8 Zucht - Experimente

Immer wieder taucht die Frage auf, ob man Wanzen züchten kann. Im Interesse der schützenswerten Tiere ist jedem Laien - wegen mangelnder Fachkenntnisse - dringend davon abzuraten, eine Zucht anzulegen. Wie wir Menschen haben die Insekten nur ein Leben, das sie in ihrem natürlichen Lebensraum verbringen sollten. Es ist nahezu unmöglich, für die an Freiheit gewöhnten Krabbler perfekte, künstliche Lebensbedingungen zu schaffen. 

Wer dennoch die Entwicklungsstadien einer Wanze oder sogar einen Schlüpfvorgang beobachten möchte, kann folgendes Experiment machen, ohne dabei den Tieren Schaden zuzufügen:

 

Vorbereitungen:

  • Besorge Dir eine kleine Weichplastikdose mit Deckel und piekse Luftlöcher hinein (ich benutze dazu einen Fadentrenner).
  • Schneide ein Stückchen Mullbinde, Kompresse oder Baumwollstoff zurecht, drücke es in frischem Wasser aus und lege es auf den Dosenboden.
  • Gehe nun auf die Suche nach einer Wanzenlarve. (siehe dazu Fangmethoden). Du erkennst Larven daran, dass sie noch keine fertig ausgebildeten Flügel haben und sich ihre Stinkdrüsen oben auf dem Hinterleib befinden. Besonders geeignet sind Baum- oder Randwanzenlarven, da sie häufig und so gut wie überall vorkommen, relativ groß, leicht zu finden, gut zu beobachten und ziemlich widerstandsfähig sind. (Beispiele siehe auch 1.3 – Fortpflanzung)
  • Setze das Tier mit einem Blatt und/oder einer Frucht seiner jeweiligen Wirtspflanze in die Dose, schließe sie und stelle sie an einen hellen, nicht sonnigen Fensterplatz. Die passenden Wirtspflanzen findest Du unter Vorkommen bei der jeweiligen Wanzenart (siehe 3.2 Wanzen-ABC - Steckbriefe)
  • Pflegehinweis: Halte die Dose sauber, sorge täglich für frisches Futter und drücke das Tuch regelmäßig in klarem Wasser aus. So wird Schimmelbildung bzw. Austrocknung vermieden.

Nun beginnt die Beobachtungsphase, die je nach Entwicklungsstand der Larve schon nach kurzer Zeit ein Ergebnis bringen kann. Sind die Flügeltaschen bereits stark ausgebildet, ist es möglich, dass schon kurze Zeit später die 5. und letzte Häutung erfolgt. Sind die Flügeltaschen noch klein oder kaum zu sehen, häutet sich das Tierchen u.U. noch mehrmals, bis es erwachsen ist. Das kann viele Tage dauern. Die abgestreifte Larvenhaut findest Du dann irgendwo in der Dose.

Die fertige Wanze, die zuerst milchig-blass wirkt, benötigt eine längere Ruhephase, bevor Du sie in die Freiheit entlassen kannst. Während dieser Zeit, in der das vom Schlüpfvorgang völlig erschöpfte Tier bewegungslos da sitzt, härten sich die ledrigen Flügeldecken und die arttypischen Farben und Muster bilden sich (Abbildungen 1 und 2).

   Abb. 1) >

                Abb. 2) >

Aussetzen solltest Du das erwachsene Tier möglichst an der Stelle, an der Du es als Larve eingefangen hast.

 

 

Fangmethoden